Thema am 11. September 2016: Gemeinsam Denkmale erhalten















      Der Tag des offenen Denkmals am 11. September 2016 steht mit "Gemeinsam Denkmale erhalten" ganz im Zeichen des gemeinschaftlichen Handelns. Das Motto ist hochaktuell. Es lehnt sich an den Vorschlag des Europarats an, die European Heritage Days 2016, deren deutscher Beitrag der Tag des offenen Denkmals ist, unter das Motto "Heritage and Communities" zu stellen.

Es ist nur scheinbar eine Binsenweisheit, dass man gemeinsam oftmals viel mehr erreichen kann als allein. Auf politischer Ebene ist um die praktischen Umsetzungsmöglichkeiten dieser Erkenntnis jedoch bis vor wenigen Jahrzehnten heftig gerungen worden. Uns erscheint heute eine Bürgergesellschaft mit allen Möglichkeiten der Partizipation als selbstverständlich. Diese Rechte mussten allerdings in den 1960er und 1970er Jahren in der noch jungen Bundesrepublik - und auch europaweit - bei Politik und Verwaltung konkret eingefordert, durchgesetzt und eingeübt werden. Und auch gegenwärtig sind noch nicht alle Regelungen der Bürgerbeteiligung ausgehandelt.

Ein breites öffentliches Bewusstsein für die Bedeutung unseres erhaltenen baukulturellen Erbes erwuchs in den vergangenen Jahrzehnten ebenfalls erst langsam. Zu sehr war man im Westen in der Nachkriegszeit und in den Jahren des Wirtschaftswunders mit der Schaffung von neuen Infrastrukturen, Absatzmärkten und gesellschaftlichem Wohlstand beschäftigt, als dass sich mehr als eine Handvoll Fachleute öffentlich für Denkmalschutz und Denkmalpflege einsetzten.
Grundlegend änderte sich dies - parallel zu anderen politischen Entwicklungen -, als der Europarat im Jahr 1975 das Europäische Denkmalschutzjahr ausrief. Für dessen Umsetzung und Kommunikation wurde eigens das bis heute aktive Deutsche Nationalkomitee für Denkmalschutz gegründet. Im Denkmalschutzjahr wurde vom Europarat eine Denkmalschutz-Charta erarbeitet, in der es unter anderem heißt: "Die Unterrichtung der Öffentlichkeit muss umso mehr gefördert werden, als der Bürger ein Recht dazu hat, an Entscheidungen über seinen Lebensraum teilzuhaben."
Das Europäische Denkmalschutzjahr wurde in Deutschland ein durchschlagender Erfolg, vielerorts gründeten sich Bürgerinitiativen, die sich vehement und oft erfolgreich dafür einsetzten, bereits auf der Abrissliste stehende historische Bauten und Ensembles zu erhalten.

In der ehemaligen DDR setzten sich Bürgerinnen und Bürger bereits sehr früh ehrenamtlich für die Erhaltung gefährdeter Bausubstanz ein. Dies geschah parallel zur staatlichen Denkmalpflege über den Kulturbund und oft durchaus im Einvernehmen mit der in ihrem Handlungsspielraum eingeschränkten Denkmalpflege der DDR, die der Doktrin des Zentralkomitees folgen musste. Obwohl die zur Verfügung stehenden Baumaterialien und Geldmittel knapp waren, konnten auf diese Weise viele kostbare historische Bauten vor dem Abriss bewahrt werden. Viele dieser Aktiven engagierten sich in den 1980er Jahren auch in der DDR-Bürgerrechtsbewegung.

Auch wir, die Deutsche Stiftung Denkmalschutz, die wir seit 1993 den Denkmaltag bundesweit koordinieren, verdanken unsere Gründung 1985 dieser gesellschaftlichen Stimmung des erstarkenden Bürgerschaftlichen Engagements und dem zunehmend sichtbaren Handlungsbedarf für die Erhaltung historischer Bausubstanz in Deutschland.

Seitdem bauen wir in unserer Arbeit auf ein partnerschaftliches Miteinander mit privaten und öffentlichen Initiativen für Denkmalschutz und Denkmalpflege, mit Vereinen und ehrenamtlich Tätigen, mit Denkmalbesitzern und Denkmalnutzern sowie mit Denkmalbehörden.

Der Tag des offenen Denkmals ist geradezu ein Paradebeispiel dafür, wie es gelingen kann, diese Kräfte zu vereinen und zu einem großartigen Erfolg für die Wahrnehmung und Anerkennung der engagierten Arbeit Vieler für den Denkmalschutz und die Denkmalpflege zu machen.
Die überwiegende Mehrzahl der am Denkmaltag geöffneten Bauten und Stätten stehen für einen gemeinschaftlichen Erfolg, den Sie als Veranstalter bereits jetzt Jahr für Jahr präsentieren. Denn ohne das Zusammenspiel von Vereinen, Initiativen, Eigentümern, Gemeinden, amtlicher Denkmalpflege, diverser anderer Planungspartner in den Kommunen und Fachleuten wie Architekten, Restauratoren oder qualifizierten Handwerkern werden Denkmale nur selten erhalten.

Wir freuen uns, wenn Sie Ihre Veranstaltung am Tag des offenen Denkmals für "Ihr" Denkmal so gestalten, dass sich Ihren Besuchern erschließt, wie ein solches Zusammenspiel gut gelingen kann. Das Motto "Gemeinsam Denkmale erhalten" soll Ihnen alle Türen öffnen, Ihren Besuchern Ihre Begeisterung zu vermitteln. Es darf gern genutzt werden, um Mitstreiter zu gewinnen, Partnern zu danken, Erreichtes zu feiern, neue Ideen auszutauschen und sich gegenseitig zu motivieren.

Laden Sie die verschiedenen Beteiligten zum Denkmaltag in Ihr Denkmal ein, damit Sie gemeinsam von Ihrer Strategie, Ihren Aktionen, Ihren Ideen und Ihren Erfahrungen berichten können. In einer kleinen Ausstellung, einem Vortrag oder während einer Führung durch das Objekt können Sie die Geschichte Ihres Denkmals, Ihres Engagements oder Ihres Vereins erzählen und bebildern. Oft entstehen aus einem ehrenamtlichen Engagement wichtige Kontakte und langjährige Freundschaften. Auch das wird sich Ihren Besuchern positiv vermitteln.

Viele von Ihnen, gleich in welcher Position Sie sich für Denkmalschutz und Denkmalpflege engagieren, wissen ein Lied davon zu singen, dass es diverse Hürden und Hindernisse zu überwinden gilt, bevor ein Denkmal wirklich gerettet und beispielsweise einer neuen Nutzung zugeführt werden kann.

"Gemeinsam Denkmale erhalten" bedeutet, sich bewusst zu machen, wer einen in dem Anliegen unterstützen kann, historische Bauten zu erhalten. Allianzen müssen gebildet, Potenziale erkannt werden. Wichtige Fragen sind zu klären: Wer hat ebenfalls ein Interesse an der Erhaltung von Denkmalen und kann mich unterstützen? Wer schafft wie Öffentlichkeit? Wer kann kofinanzieren, Arbeitskraft oder Sachmittel bereitstellen? Wer verfügt über fachliches Know-how? Welche Behörden sind in die Planungen mit einzubeziehen? Welchen Handlungsspielraum haben diese Behörden?

Das alles ist nicht unbedingt einfach und manchmal kämpft man vergebens. Auch von diesen Erlebnissen dürfen Sie gern berichten, selbstverständlich ohne andere zu diffamieren. Die Erfahrung, dass nicht überall jedes historische Gebäude unter allen Umständen erhalten werden kann, kann auf den Einzelnen sehr ernüchternd wirken und die Gründe dafür sind komplex.

Die zentrale Botschaft "Gemeinsam Denkmale erhalten" des Denkmaltags am 11. September will allen Mut machen, sich weiterhin für unser baukulturelles Erbe zu engagieren. Wir, die Deutsche Stiftung Denkmalschutz als größte gemeinnützige, spendensammelnde Stiftung für Denkmalschutz und Denkmalpflege, erleben tagtäglich, wie sich Menschen mit enormer Begeisterung, ehrenamtlichem Engagement, Fachwissen und Geldmitteln für unsere gebaute Umwelt einsetzen.
Dass sich dieser Einsatz für alle lohnt, zeigen die vielen großartigen Bilder und Geschichten der Aktionen von Schülerinnen und Schülern, Nachbarschaftsinitiativen, Vereinen, Verbänden, Kirchengemeinden, Kommunen und vieler mehr, die sich für die Erhaltung von bedrohtem Kulturerbe stark machen.

Lesen Sie mehr dazu auf www.tag-des-offenen-denkmals.de/thema/beispiele.html.

Datum und Themen der vergangenen Jahre
2015 13. Sept. Handwerk, Technik, Industrie
2014 14. Sept.Farbe
2013 08. Sept.Jenseits des Guten und Schönen: Unbequeme Denkmale?
2012 09. Sept.Holz
2011 11. Sept.Romantik, Realismus, Revolution. - Das 19. Jahrhundert
2010 12. Sept.Kultur in Bewegung - Reisen, Handel und Verkehr
2009 13. Sept.Historische Orte des Genusses
2008 14. Sept.Vergangenheit aufgedeckt - Archäologie und Bauforschung
2007 09. Sept.Orte der Einkehr und des Gebets - Historische Sakralbauten
2006 10. Sept.Rasen, Rosen und Rabatten - Historische Gärten und Parks
2005 11. Sept.Krieg und Frieden
2004 12. Sept.Wie läuft's? - Schwerpunktthema Wasser
2003 14. Sept.Geschichte hautnah: Wohnen im Baudenkmal
2002 08. Sept. Ein Denkmal steht selten allein: Straßen, Plätze und Ensembles
2001 09. Sept. Denkmal als Schule - Schule als Denkmal
2000 10. Sept. Alte Bauten - Neue Chancen
1999 12. Sept. Europa - ein gemeinsames Erbe


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