Thema am 10. September 2006: Rasen, Rosen und Rabatten - Historische Gärten und Parks








      Wem kommen sie bei dem Thema des diesjährigen Tages des offenen Denkmals nicht in den Sinn: Weitläufige Schlossparks mit gepflegten Anpflanzungen und reichem Blumenschmuck. Doch auch Villen, bürgerliche Wohnhäuser, Bauernhäuser und öffentliche Bauten sind von Gärten umgeben. Historische Gärten und Parks bilden gemeinsam die Kategorie der Gründenkmale. Auch sie gehören neben historischen Bauten und Stätten zu unserem kulturellen Erbe und geben Auskunft über vergangene Epochen. Damit sie langfristig erhalten werden können, bedürfen sie der sorgsamen Pflege. Das Thema "Rasen, Rosen und Rabatten - Historische Gärten und Parks" umfasst einerseits das heutige Erscheinungsbild von historischen Gärten und Parks, anderseits kann am Denkmaltag ihre gestalterische Entwicklung durch die Jahrhunderte beleuchtet werden. An diesem Aktionstag haben Sie die Möglichkeit, Besuchern sonst nicht geöffnete Schätze der Gartenkunst zu zeigen, ihre Geschichte darzustellen und vielleicht altbekannte Parks und Gärten unter ganz neuen Gesichtspunkten erfahrbar zu machen.

Der Garten in der Geschichte
Bereits in der Antike gab es Gärten, die die herrschaftlichen Villen räumlich ergänzten und zum Teil als "Ausstellungshallen" der Skulpturensammlungen dienten. In der Renaissance waren die Architekten darauf bedacht, die Gartenanlage in einem Rechteck mit vielen geometrischen Elementen anzulegen, ergänzt von verwinkelten Wegen, die zu Grotten oder Wasserspielen führten. Im Barock beherrschte die Symmetrie sowohl den Gesamtentwurf als auch den Zuschnitt der einzelnen Pflanzen. Diese formale Strenge wurde im 18. Jahrhundert vom Englischen Landschaftsgarten abgelöst. Für diesen sind locker angepflanzte Bäume und weiträumige Rasenflächen mit vielen verschlungenen Wegen charakteristisch. Die Gartenkunst des 19. Jahrhunderts macht die Mischung der Elemente und der spielerische Umgang mit ihnen interessant. Im 20. Jahrhundert zeichnet sich die Abkehr von aristokratischen Gärten der vergangenen Epochen ab, hin zu öffentlichen Grünanlagen und Privatgärten. Ab den 50er Jahren beherrschte ein wohlgepflegter Rasenteppich die Gartenanlage. Erst in jüngerer Zeit begann man wieder damit, neue gartenarchitektonische Konzepte zu entwickeln und sich gleichzeitig erneut mit historischen Gärten und Parks zu beschäftigen.

Das Schwerpunktthema am Tag des offenen Denkmals:
Folgende Anregungen können Ihnen helfen, das Thema "Rasen, Rosen und Rabatten - Historische Gärten und Parks" mit Ihrer Veranstaltung am Denkmaltag zu verbinden:
  • Um ein Objekt, sei es ein Gebäude oder ein Garten, für die Zukunft zu erhalten, muss dessen Pflege und Weiternutzung gesichert sein. In den letzten Jahren haben sich einige große Schlossparks und -gärten zu Touristenmagneten entwickelt. Am Tag des offenen Denkmals kann diese Form der Nutzung kritisch betrachtet werden: Wird der Erhalt oder das Erscheinungsbild durch sie gefährdet? Ist eine Umgestaltung der Anlage vorgenommen worden? Wenn ja, ist sie gelungen und hat sie die Originalsubstanz berücksichtigt? Die Frage, in welchen Fällen Grünanlagen unter Denkmalschutz zu stellen sind und aus welchen Gründen kann ein Thema sein.

  • Städtische Grünanlagen: Im 19. Jahrhundert stieg das Bedürfnis nach innerstädtischen Erholungsorten. Renommierte Gartenarchitekten entwarfen im Auftrag der Städte Parkanlagen und begrünte Plätze. Auch bereits Vorhandenes wurde den neuen Bedürfnissen angepasst: Stadtmauern wurden niedergerissen und Bollwerke begehbar gemacht. Immer mehr verkehrsfreie Promenaden, Volksgärten und Kinderspielplätze wurden angelegt. Sie spiegeln nicht nur die Ansprüche der Bürger wider, sondern zeigen auch die gestalterischen Möglichkeiten der jeweiligen Epoche. Bei einem Stadtrundgang kann auf den Bezug der öffentlichen Grünanlagen und Parks auf die Stadtplanung hingewiesen werden. Auch der Bedeutungswandel dieser Grünanlagen sowie der denkmalpflegerische Umgang mit der heutigen Substanz kann im Mittelpunkt einer Führung stehen.

  • Architektur und Parkanlagen bilden oft ein Ensemble. Zum Schutz vor Regen oder als Orte romantischer Rendezvous fanden Altanen, Pagoden oder Pavillons als Lustbauten Einzug in die Anlagen. Orangerien in Schlossparks sind heute noch ein Blickfang. Sie boten Platz für die Überwinterung exotischer Pflanzen, aber auch für Ausstellungen und Bankette. Das Gewächshaus botanischer Gärten ist seit Jahrhunderten in die Universitäten integriert. Die Entfaltung und das Erscheinungsbild von tropischer Flora und Fauna kann hier studiert oder einfach nur bewundert werden.

  • Einige Schlösser und Güter wechselten nach dem Zweiten Weltkrieg häufig ihre Besitzer. Die dazu gehörigen Grünflächen verwilderten oft, so dass ihre Existenz nur durch Dokumente oder alte Bilder bezeugt werden kann. Ein ähnliches Schicksal erfuhren einige öffentliche Grünanlagen indem sie überbaut wurden. Am Tag des offenen Denkmals kann eine Ausstellung mit historischen Dokumenten und Bildern diese heute nicht mehr erhaltenen Anlagen vorstellen.

  • Vielleicht haben historische Ereignisse dazu geführt, dass ein Park oder ein Garten in Ihrer Umgebung an Bedeutung gewonnen hat? Oder lässt sich eine grüne Oase in Ihrer Stadt mit einer geschichtlich, literarisch oder künstlerisch bedeutenden Persönlichkeit in Verbindung bringen? Die Ergebnisse Ihrer Recherche können Sie in einer Ausstellung vorstellen und/oder in einer Führung an den Originalschauplätzen vortragen.

  • Private Gärten: Bereits im Mittelalter haben die Menschen Gärten besessen. Der Bauerngarten war ein umzäuntes Stück Ackerland, das dem Anbau von Nutzpflanzen diente. Die Form war durch die Beete und den Verlauf des Zaunes vorgegeben. In der folgenden Zeit entstanden bürgerliche Gärten, die ihre Vorbilder in den mondänen adeligen Garten- und Parkanlagen suchten. Für den Denkmaltag bietet sich an, die geschichtlichen Hintergründe und Besonderheiten der privaten Gärten vorzustellen.

  • Die Geschichte der Kleingartenanlagen reicht in Europa ins 18. Jahrhundert zurück. Zur Selbstversorgung wurde zunächst auf kleinen gepachteten Parzellen ausschließlich Gemüse und Obst angebaut. Nach dem Leipziger Arzt Dr. Schreber erhielt der Kleingarten seinen heutigen Namen. Mitte des 19. Jahrhunderts ließ der Arzt Kinder und Jugendliche kleine Parzellen bepflanzen und pflegen. Nach kurzer Zeit erlosch die Begeisterung der Kinder, doch erkannten die Eltern den Nutzen der Gärten und übernahmen ihre Pflege. Bereits 1864 wurde der "Schreberverein" gegründet.

  • Eine lange Tradition haben in Mitteleuropa die Klostergärten. Sie gehen auf das Frühmittelalter zurück. Übersichtlich und praktisch angelegt, lieferten sie Arzneien, Küchenkräuter und Gemüse für die Mönche und Nonnen.

  • Friedhöfe gelten für Viele als Orte der Ruhe und Meditation. Am Tag des offenen Denkmals lohnt es, sich einmal unter dem besonderen Blickwinkel des Gründenkmals mit historischen Friedhofsanlagen auseinander zu setzen. Denn einige von ihnen sind gerade wegen ihrer landschaftsarchitektonisch gelungenen Gestaltung bekannt.

  • An vielen Wegen und Straßen pflanzte man in der Vergangenheit Bäume, die mit ihren Kronen den Reisenden Schatten spendeten. Am Tag des offenen Denkmals können Sie in einer Führung oder einem Rundgang die Alleen in Ihrer Umgebung erkunden.

  • Der Baum als Einzeldenkmal: In manchen Dörfern stehen noch heute stolze jahrhundertealte Dorflinden oder Eichen. Stellen Sie die Geschichte dieser Bäume vor. Welche Bedeutung hatten und haben sie heute für das Ortsbild?
Die Deutsche Stiftung Denkmalschutz wurde im Jahr 2006 für ihr Engagement für den Tag des offenen Denkmals als "Ort des Tages" der Kampagne Deutschland - Land der Ideen ausgewählt.

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Datum und Themen der vergangenen Jahre
2017 10. Sept. Macht und Pracht
2016 11. Sept.Gemeinsam Denkmale erhalten
2015 13. Sept. Handwerk, Technik, Industrie
2014 14. Sept.Farbe
2013 08. Sept.Jenseits des Guten und Schönen: Unbequeme Denkmale?
2012 09. Sept.Holz
2011 11. Sept.Romantik, Realismus, Revolution. - Das 19. Jahrhundert
2010 12. Sept.Kultur in Bewegung - Reisen, Handel und Verkehr
2009 13. Sept.Historische Orte des Genusses
2008 14. Sept.Vergangenheit aufgedeckt - Archäologie und Bauforschung
2007 09. Sept.Orte der Einkehr und des Gebets - Historische Sakralbauten
2006 10. Sept.Rasen, Rosen und Rabatten - Historische Gärten und Parks
2005 11. Sept.Krieg und Frieden
2004 12. Sept.Wie läuft's? - Schwerpunktthema Wasser
2003 14. Sept.Geschichte hautnah: Wohnen im Baudenkmal
2002 08. Sept. Ein Denkmal steht selten allein: Straßen, Plätze und Ensembles
2001 09. Sept. Denkmal als Schule - Schule als Denkmal
2000 10. Sept. Alte Bauten - Neue Chancen
1999 12. Sept. Europa - ein gemeinsames Erbe


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