Thema am 12. September 2010: Kultur in Bewegung - Reisen, Handel und Verkehr









      Archäologische Stätten
Frühe Fernhandelsbeziehungen lassen sich archäologisch schon seit der Jungsteinzeit nachweisen. Belegt etwa durch ortsfremde Schmuckstücke, Waffen und Geräte aus lokal nicht vorkommenden Gesteinen und Metallen. Die Römer hatten ein gut organisiertes Importnetz von Waren innerhalb ihres riesigen Reiches, aber sie betrieben auch Handel auf lokaler Ebene mit grenznah siedelnden Stämmen. Dies lässt sich im Fundmaterial sowohl auf germanischer wie auch auf römischer Seite nachweisen. Die Wikinger betrieben im 8. Jahrhundert in Haithabu in Schleswig-Holstein einen frühen internationalen Handelsplatz für den Warenaustausch mit Nordeuropa und dem Baltikum. Ortsfremde Trachtausstattungen oder Bestattungstraditionen beispielsweise auf frühmittelalterlichen Gräberfeldern zeugen von Migration und überregionalen Kontakten. Aus archäologischer Sicht ist das diesjährige Motto in vielfältigster Weise aufgreifbar.

Wasserstraßen
Flüsse, Seen und Meere werden zum systematischen Transport von Waren und Personen in unseren Breiten mindestens seit der Römerzeit genutzt. Funde von Einbäumen und Paddeln belegen den Gebrauch von Booten aber schon für die Jungsteinzeit. Seit dem Mittelalter waren Flüsse wichtige Verkehrswege und die einzige Alternative zum beschwerlichen Landweg. Allerdings war auch die Befahrung entgegen der Strömung ein mühsames Geschäft, oft mussten Pferde oder Menschen am Ufer die Schiffe flussaufwärts ziehen, "treideln". Erst nach und nach wurden die Flüsse als Schifffahrtswege durch Eindeichungen und kanalartige Durchstiche an Flussschleifen kontrollierbarer. Seit der Industrialisierung im 18. und 19. Jahrhundert wurde ein systematischer Kanalbau betrieben, der die Transportkapazität der Wasserstraßen zum einen erhöhte und zum anderen neue Verbindungen erschloss. Schleusen, alte Deiche und Kanalstrecken zeugen von dieser verkehrtechnischen Innovation. Begeben Sie sich mit Ihren Besuchern auf Spurensuche.

Eisenbahnen und Schienennetze
Ein verkehrsgeschichtliches Thema für dieses Jahr zu wählen, wurde vielfach vorgeschlagen, da 2010 die Deutsche Eisenbahn 175 Jahre ihres Bestehens feiert. Die Einweihung der "Bayerischen Ludwigsbahn" 1835 zwischen Nürnberg und Fürth wird allgemein als Geburtsstunde der Eisenbahn in Deutschland angesehen. Viele Vereine und Privateigentümer, die sich seit Langem um den Erhalt historischer Bahnstrecken, Loks, Waggons, Stellwerke und nicht zuletzt von Bahnhöfen bemühen, werden am Denkmaltag informieren und zu Fahrten einladen.

Straßennetze
Straßen und Wege verbinden Menschen immer schon mit ihren Behausungen, ihren Wirtschaftsflächen und Jagdgebieten und nicht zuletzt miteinander. Schon in der Antike entstanden gut ausgebaute Fernhandelsstraßen, deren Netz sich seit dem Hochmittelalter verdichtete. Ein weiteres Motiv für den Straßenbau ist der Truppentransport, die napoleonischen Chausseen sind ein gutes Beispiel dafür. Untersuchen Sie zum Tag des offenen Denkmals die Geschichte des Straßennetzes Ihrer Region und stellen diese vor.

Poststationen und Gasthäuser
Der Straßenausbau zog auch eine Systematisierung des Reisens per Postkutsche um die Mitte des 18. Jahrhunderts nach sich. Zu festgelegten Zeiten und Preisen verkehrten regelmäßig Postkutschen zwischen den Städten, so dass das Reisen planbar wurde. In Poststationen wurden Reiter und Pferde gewechselt.
In nahe gelegenen Gasthäusern wurden Reisende verpflegt und fanden ein Zimmer für die Nacht. Alte Poststationen und Gasthäuser mit traditioneller Anbindung an die alten Postwege gibt es heute noch überall, erläutern Sie deren Geschichte am Denkmaltag!

Siedlungen
Orte der Migration erinnern uns manchmal auch an schwierige Zeiten. In Zeiten des Krieges und von wirtschaftlicher Not, z. B. nach Missernten und religiöser Verfolgung, mussten Menschen massenhaft ihre Heimat verlassen und anderswo ihr Glück suchen. Auswandererlager und Siedlungen dieser Migranten erzählen eine Geschichte von Anpassung, fremden Traditionen, Überlebenswillen, Mut und Hoffnung auf bessere Zeiten. Zeigen Sie diese Orte und ihre Geschichte.

Einflüsse fremder Baumeister und Handwerker
Handwerker und Baumeister waren Spezialisten, deren Wissen und Können weithin gefragt war. Schon spätmittelalterliche Zunftordnungen schrieben jungen Handwerksgesellen vor, auf Wanderschaft zu gehen, ehe sie die Meisterprüfung ablegen konnten. Einflüsse der Handwerker auf die Bauformen von Kirchen, Repräsentationsbauten Wohnsiedlungen und Handwerkerviertel lassen sich überall finden, auch wenn sie nicht immer auf den ersten Blick zu erkennen sind, wie zum Beispiel im Holländischen Viertel in Potsdam. Begeben sie sich auf Spurensuche.

Orte des Handels
Marktplätze sind neben Kirchen und Rathäusern die zentralen Orte von Städten und Dörfern. Die "normalen" Wohn- und Geschäftshäuser an Marktplätzen sind meist besonders groß und reich ausgestattet, hier zeigte Bürgertum und Handwerk, was es zu erreichen imstande war. Vielerorts sind alte Marktarkaden erhalten, die zugehörigen Gebäude sind in ihrer Bauweise ganz auf das Lagern und Präsentieren von Waren ausgerichtet. Historische Ladenpassagen bezeugen florierende Geschäfte und die Verbindung von Konsum und Lebensfreude. Zeigen Sie alte Handelshäuser, Läden und Verkaufsstellen und präsentieren sie deren Traditionen und Besonderheiten am Denkmaltag.

Zollstationen, Lagerhäuser, Häfen und Bahnhöfe
Bevor Waren verkauft werden konnten, mussten sie den lokalen Händler auf verschiedensten Wegen erreichen: Sie wurden in Häfen und Bahnhöfen umgeschlagen, lagerten in Speichern, Lagerhallen und Stapelhäusern. In der Nähe und an den Grenzen befanden sich Zollstationen, an denen die Ware verzollt werden musste. Erläutern Sie diese Bauten des Handelns und machen Sie ihre Infrastruktur wieder sichtbar.

Pilgerwege, Wallfahrtsorte und Herbergen
Eine ganz besondere Form des Reisens ist das Pilgern. Pilgern ist aus vielen großen Weltreligionen bekannt. Im Christentum dient es dazu, den Gläubigen von seinen Sünden zu erlösen, der Heilung oder der Erfüllung besonderer Wünsche. Neben so bekannten Wallfahrtsstätten wie Santiago de Compostela gibt es eine ganze Reihe kleinerer Wallfahrtsorte und -kirchen in Deutschland. Zur Unterbringung und Versorgung der Pilger sind bis heute viele Herbergen und Hospitale erhalten. Zeigen Sie diese Orte und ihre Geschichte, insbesondere auch unter dem Aspekt des Reisens und der Pilgerwege und ihrer Stationen.

Verkehrsmittel
Ganz nahe liegend und eng mit vielen genannten Punkten verbunden ist der Bereich der historischen Verkehrsmittel: Vom einfachen Pferd und Wagen, Frachtkähnen über die Kutsche, Dampfloks und Schiffe aller Art, historischen Automobile bis hin zu Flugzeugen und Gasballons: All diese Verkehrsmittel dienten und dienen neben "Schusters Rappen" "Reisen, Handel und Verkehr" und brachten und bringen "Kultur in Bewegung". Viel Spaß bei der Präsentation dieser alten Verkehrsschätze!





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