Thema am 9. September 2018

Entdecken, was uns verbindet

Am 9. September 2018 steht der Tag des offenen Denkmals bundesweit unter dem Motto „Entdecken, was uns verbindet”. Dann nehmen Sie im September Ihre Besucher mit auf ganz unterschiedliche Entdeckungsreisen in die Geschichte. Doch zuvor werden Sie als Veranstalter, Organisatoren, Denkmaleigentümer und Fachkundige der verschiedensten denkmalnahen Disziplinen möglicherweise noch stärker als sowieso schon zu Detektiven und Netzwerkern im Hinblick auf die Darstellung Ihres Denkmals.

Das Tag des offenen Denkmals-Motto „Entdecken, was uns verbindet” bezieht sich explizit auf das  Europäische Kulturerbejahr 2018. In ganz Deutschland beteiligen sich während des gesamten Jahres die unterschiedlichsten Kultureinrichtungen, Museen, Schulen, Hochschulen, Bürgerinitiativen und sonstige kulturell Engagierte am Kulturerbejahr, das unter dem Motto „Sharing Heritage” steht. Das Jahr ist EU-weit ausgerufen. In Deutschland koordiniert es das Nationalkomitee für Denkmalschutz.

Wir freuen uns sehr, dass der Tag des offenen Denkmals unter dem Motto „Entdecken, was uns verbindet” ein wichtiges Highlight des Europäischen Kulturerbejahrs 2018 sein wird.

Die Jahresthemen

Grundsätzlich sind die Jahresthemen des Tags des offenen Denkmals immer so ausgelegt, dass sie den Veranstaltern einen weiten Interpretationsspielraum geben. Der Aktionstag soll allen Denkmalengagierten, Denkmalbesitzern, Denkmalforschern und Denkmalinstandsetzern die Möglichkeit bieten, sich mit genau dem Objekt zu beteiligen, das aus seiner/ihrer Sicht zum Motto passt und die Besucher fasziniert. Wichtig ist allein, dass das historische Gebäude, der Park oder die archäologische Stätte bei der Teilnahme am Aktionstag im Vordergrund steht. Auch sollen die Besucher am Tag des offenen Denkmals kostenfrei Zutritt zum Denkmal haben.

So können Sie das Thema umsetzen

Im Folgenden geben wir Ihnen einige Anregungen und Ideen zur Umsetzung des aktuellen Leitsatzes „Entdecken, was uns verbindet”.

Marmor aus Italien, Farbpigmente aus dem Orient, Tapisserien aus Flandern, Fliesen aus Delft - dies sind Beispiele für besondere, teilweise exotische Materialien, die über Ländergrenzen und Sprachbarrieren hinweg verhandelt wurden. Diese Güter nutzten Baumeister und Künstler nicht nur wegen ihrer herausragenden Qualität, ihre Verwendung belegte zugleich eindrucksvoll den Reichtum, Geschmack und die Weltgewandtheit ihrer Besitzer und verarbeitenden Künstler. Auch „einfachere” Materialien wie Bauholz, Steine oder Ziegel kauften Bauherren, Architekten und Handwerker überregional ein, sobald sie von besonderem Rang sein sollten. Sicher lassen sich auch an Ihrem Denkmal über die Art der verwendeten Materialien Bezüge und Verbindungen in andere Regionen herstellen. Auf diese Weise können Sie ganz konkret das Motto „Entdecken, was uns verbindet” umsetzen und Ihr Wissen an Ihre Besucher weitergeben.

Viele Beziehungen lassen sich auch entdecken, wenn Sie am Beispiel Ihres Denkmals nachforschen, woher bestimmte Stilprägungen kamen. Gehen Sie der Frage nach, was lokaltypisch ist und welche überregionalen Formen es gibt. Wenn Sie die Herkunft für bestimmte Materialien ermitteln, taucht vermutlich ganz von selbst die Frage danach auf, von wem denn die überregionalen Verbindungen hergestellt wurden? Wer waren die Baumeister, Handwerker und Künstler, die mit neuen, manchmal überlegenen Materialien, künstlerischen Ausdrucksformen und - ganz wichtig - technischem Know-how von weither kamen? Wie haben sich Kunstmaler aus Italien, Baumeister aus Frankreich oder Garten- und Landschaftsplaner aus England mit ihren Werken mit der lokal schon bestehenden Baukultur auseinandergesetzt? Wo haben sie Spuren hinterlassen? An welchen anderen Denkmalen in der Region oder überregional lassen sich diese Merkmale nachverfolgen? Was eint diese Denkmale? Was haben die einheimischen Handwerker, Künstler oder Architekten von den neuen Ideen übernommen und wie?

Anhand dieser Fragen können Sie Merkmale an so gut wie allen Denkmalen verfolgen. Die aufgezählten Beispiele sind nur sehr wenige aus ganz vielen denkbaren. Sie lassen sich ebenso gut auf sakrale wie technische Denkmale übertragen und auch auf kleine, vermeintlich unspektakuläre Denkmale aus dem ländlichen oder städtischen Raum. Vertreter der archäologischen Denkmalpflege werden sich mit dem Motto „Entdecken, was uns verbindet” ebenfalls wohlfühlen. Auch sie sind es von Berufswegen gewohnt, bei ihren Fundorten und den Fundgütern nach Hinweisen auf Verbindungen jedweder Art zu suchen.

Manchmal sind Denkmale allein schon aufgrund ihres Zwecks und ihrer Beschaffenheit „verbindend”: Verkehrsmittel oder Verkehrswege etwa, wie Brücken, Kanäle oder historische Eisenbahnen.

Sie können das Motto „Entdecken, was uns verbindet” auch anhand von geschichtlichen Jahreskennzahlen darstellen. Arbeiten Sie heraus, welche überregionalen oder sogar europaweiten Auswirkungen ein bestimmtes Ereignis auch auf die kulturelle Entwicklung hatte. Das kann sowohl ein wichtiges lokales Datum oder konkret das Erbauungsjahr eines Denkmals sein, oder aber ein bedeutendes historisches Ereignis wie 1918 (Ende 1. Weltkrieg) oder 1648 (Westfälischer Friede).

Lassen Sie Ihre Besucher auf Entdeckungsreise gehen

Spannend für Ihre Besucher ist auch, wenn Sie vor Ort Ihre Gäste entdecken lassen, wie Sie selbst in Ihrer Arbeit für die Erhaltung unseres Kulturerbes vernetzt sind. Egal ob Sie Teil einer Bürgerinitiative oder Denkmalschutzbehörde, Denkmaleigentümer, Kirchengemeinde, spezialisierter Handwerker oder Architekt, oder, oder, oder sind - und auch wenn die Herausforderungen vor denen Sie stehen sehr groß sind, in der Vernetzung und dem gemeinsamen Arbeiten liegt die Kraft, die zum Erfolg führt. Wenn Sie vor Schwierigkeiten stehen, kann es helfen, diese am Tag des offenen Denkmals mit der interessierten Öffentlichkeit zu besprechen. Nur dadurch können Sie das Bewusstsein für die Kostbarkeit unseres baukulturellen Erbes sensibilisieren.

Kunst und Architektur sind immer Zeugnisse sozialer Beziehungen. Wenn wir uns am Tag des offenen Denkmals mit unseren Besuchern auf den Weg machen zu „entdecken, was uns verbindet”, begeben wir uns zugleich auf eine Forschungsreise zu uns selbst und unserer ganz persönlichen Vergangenheit. Wenn wir „entdecken, was uns verbindet”, wächst unser Verständnis auch für das vermeintlich Andere. Nicht nur Ihre Besucher werden staunen, wie reich, bunt und veränderlich die Geschichte von scheinbar starren Architekturstilen und religiösen wie weltlichen Traditionen ist. Als Deutsche Stiftung Denkmalschutz ist es unser Herzensanliegen, Baudenkmale als lebendige Geschichtszeugen für künftige Generationen zu erhalten. Wir freuen uns, wenn Sie uns bei unserer Arbeit unterstützen. Aha-Erlebnisse zu schaffen und die Erkenntnis zu verbreiten, wie sehr all diese geschichtlichen Momente unsere Gegenwart prägen, all dies soll das Europäische Kulturerbejahr befördern. Am Tag des offenen Denkmals am 9. September laden wir gemeinsam mit Ihnen dazu ein!