Kellermikwe HIGHLIGHT

Ein herausragendes Zeugnis jüdischen Lebens gemeinsam erhalten: Die Kellermikwe in Schmalkalden

Zum Tag des offenen Denkmals® 2020 gibt die Deutsche Stiftung Denkmalschutz Einblicke in ausgewählte Denkmale:

Die Führung präsentiert die Kellermikwe in Schmalkalden, ein rituelles Tauchbad, als ein herausragendes Zeugnis jüdischen Lebens in Thüringen und gibt Einblick in die geplanten Maßnahmen zur Bewahrung und weiteren Erschließung dieser außergewöhnlich gut erhaltenen Anlage. So soll ein Ausstellungsraum entstehen und das Denkmal für die Besucher zugänglich gemacht werden. Maßgeblich unterstützt werden die Maßnahmen von der treuhänderischen Ernst Ritter-Stiftung unter dem Dach der Deutschen Stiftung Denkmalschutz.

Bei der Mikwe, die durch einen spektakulären Zufallsfund 2015 im Rahmen von Arbeiten zu einem Neubaukomplex in einem Gewölbekeller entdeckt wurde, handelt es sich um ein besonders frühes Zeugnis jüdischen Lebens in Deutschland, das im thüringischen Schmalkalden seit etwa 1300 nachgewiesen ist. Mit dem „Rintfleisch-Pogrom“ waren auch hier Juden von Verfolgung betroffen - ein Massenmord, der um das Jahr 1298 vor allem in Franken stattgefunden hat. Rintfleisch – je nach Quelle war er Raubritter oder Fleischermeister – verkündete, er habe vom Himmel eine persönliche Botschaft erhalten und sei zum Vernichter aller Juden ernannt worden. Damals wurden etwa fünftausend Juden ermordet. Auch in den folgenden Jahrhunderten wurden Juden beschuldigt, als Brunnenvergifter gebrandmarkt, erschlagen, wurden immer wieder Opfer. Erst seit 1611 lebten wieder nachgewiesen Juden in Schmalkalden.

Das rituelle Tauchbad befand sich in direkter Nachbarschaft zur 1938 zerstörten Synagoge in der Judengasse. Das Bauwerk soll in zwei Phasen entstanden sein. Der älteste Teil wird dem späten 14. oder frühen 15. Jh. zugeordnet. Der zweite Teil fällt in die Bauzeit der Synagoge. Diese entstand 1622 und existiert heute nicht mehr.

Die Kellermikwe wurde hauptsächlich durch Grundwasser gespeist. Sie besaß insgesamt vier Schächte. Drei befinden sich eng beieinander, der vierte ist durch eine hölzerne Wasserleitung mit steingefasstem Überlauf zum Ensemble verbunden. Zwei Stufen führen zum wichtigsten Element der Mikwe hinab, deren Boden mit Steinplatten ausgelegt ist. Das Fassungsvermögen beträgt etwa einen Kubikmeter Wasser. Hier wurden über Jahrhunderte Personen durch vollständiges Untertauchen rituell gewaschen. Der durch die Holzwasserleitung verbundene separate Schacht ist relativ klein. Er diente wahrscheinlich dem Kaschern von Geschirr, bei dem nicht koschere Behälter und Gegenstände koscher gewaschen werden, denn Milchiges und Fleischiges sind nach den jüdischen Speisegesetzen immer zu trennen – sowohl räumlich als auch zeitlich. Die beiden anderen Schächte gehören der älteren, spätmittelalterlichen Mikwe an. Diese spätmittelalterliche Mikwe liegt unter der frühneuzeitlichen und wurde nicht ausgegraben. Einen weiteren Hinweis auf die Datierung liefern Scherben eines Gefäßes, die Archäologen zusammenfügen konnten und aus dem 15. Jahrhundert stammen.

Sakralbauten

Kellermikwe

Hoffnung 38, 98574 Schmalkalden
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