Manchmal beginnt Denkmalpflege ganz still, fast zart: mit einer kleinen geöffneten Stelle im Putz, hinter der eine Wand ihre Vergangenheit preisgibt. Im Herbst 2025 fanden im Hotel Bellevue erste restauratorische Voruntersuchungen statt. Ziel dieser Voruntersuchungen war es, die historischen Farbschichten exemplarisch freizulegen und damit eine Grundlage für den weiteren denkmalpflegerischen Umgang zu schaffen.
In diesem frühen Stadium arbeiten Restauratorinnen mit sogenannten Sondierungen – kleinen, behutsam freigelegten Bereichen – und Schichttreppen, bei denen die Farbschichten millimeterweise abgetragen werden. So lassen sich die unterschiedlichen Farbfassungen eines Raumes wie die Stufen einer Treppe nebeneinander betrachten. Im Speisesaal des Erdgeschosses kamen auf diese Weise bis zu sieben übereinanderliegende Farbschichten zum Vorschein. Eine Wand, sieben Zeitschichten – jedes Überstreichen ein Kapitel, das vom Wandel der Nutzung und des Geschmacks zeugt.
Besondere Begeisterung bei den Restauratorinnen löste die Entdeckung einer Weinrankenmalerei unter mehreren weißen Farbschichten aus. In unmittelbarer Nähe kamen dazu noch farbenreiche Schablonenmalereien aus dem frühen 20. Jahrhundert zu Tage.
Diese ersten Befunde machen deutlich, wie viel Geschichte in den Wänden des Hotel Bellevue steckt. Gleichzeitig werfen sie die Frage auf, welche weiteren Schätze noch im Gebäude verborgen sein mögen. Die freigelegten Schichten sind dabei mehr als nur farbige Spuren – sie sind Hinweise auf das ehemalige Ambiente des Hauses und darauf, wie Menschen über zwei Jahrhunderte hinweg diesen Ort gestaltet, genutzt und verwandelt haben.
Die Ergebnisse dieser Voruntersuchung bilden damit eine wichtige Grundlage für die Zukunft des Hotels Bellevue – und eröffnen zugleich die Möglichkeit, einen Blick in seine Geschichte zu werfen und sie Schicht für Schicht neu zu erzählen.